Die Macht der Erinnerung

Wie viele andere, behaupten auch wir, Erinnerungen sind ein Lebenselixier. Sie bemächtigen uns, mentale Zeitreisen zu unternehmen. In die Vergangenheit. Was sich ohne Zweifel positiv auf unsere Persönlichkeitsentwicklung auswirkt und uns die Möglichkeit gibt, das Gesetz der Zeit zu umgehen. Aber auch in die Zukunft. Denn das Gedächtnis hilft uns dabei, uns die Zukunft vorzustellen.

Ich bin Sebastian. Der Ehemann von Anni. Und der Mitgründer von AHWOO. Ich gebe zu, für diese Einleitung habe ich ein wenig recherchiert. Ich habe eine Hand voll Artikel zum Thema gelesen und die sieben relevantesten Fakten zur Erinnerung bzw. zum Gedächtnis wiedergegeben. Zumindest: die meiner Meinung nach relevantesten.

Die Recherche war durchaus spannend und erkenntnisreich. Erinnerungen sind wichtig!

Aber abseits aller wissenschaftlichen Erklärversuche stelle ich immer wieder fest: Erinnerungen sind auch emotional. Und nichts weckt solche Emotionen, wie die Erinnerungen an die eigene Kindheit. Besonders während einer Zeit, in der ich meinem eigenen Kind beim Großwerden zusehen darf.

Die rasante Entwicklung des anfangs so zerbrechlichen Körpers hin zu einem 12-Kilogramm-Jockey, der auf meinem Bauch Hoppe-Hoppe-Reiter spielt, währenddessen aufsteht und sich auf die Brust stellt. Nur um im Anschluss in vollem Karacho und mit einem lauten Lachen auf meinem Hals zu landen.

Das Beobachten des kleinen Charakters. Und das Suchen: Welche Eigenschaften und Stärken hat er von mir. Dann. Das Finden eindeutiger Hinweise darauf: Der Mensch, der da vor dir steht, ist ein Teil von dir.

 

Alles klar soweit. Aber warum AHWOO?

Am Ende standen wir da mit einer Unmenge an Fotos. Aktuellen Fotos. Fotos von früher. Digital abgespeichert. USB-Sticks. Festplatte. SD-Card. Smartphone. Aber auch ausgedruckt. Eingeklebt in Alben. Eingerahmt an der Wand. Lose in verschiedenen Schubladen. Uns umfiel die Angst, dass uns die Erinnerungen durch die Hände rieseln.

Erinnerungen an unsere Kindheit sind in der Regel Fotos. Von unseren Eltern mit viel Liebe in ein Album geklebt. Und mit einigen Worten zum Leben erweckt. Meist gibt es nicht viele von diesen Alben. Vor noch gar nicht allzu langer Zeit war das Festhalten von Momenten auf einem Foto noch durchaus mühsam. Zunächst einen Film kaufen. Diesen in die Kamera legen. Knipsen. Streng auf die Motivwahl achten, schließlich sind die Fotos beschränkt. Dabei die ständige Ungewissheit, ob denn das Bild überhaupt etwas geworden ist. Film zum Entwickeln bringen. Nach einigen Tagen die Fotos dann in der Hand halten und in einem Album anrichten.

Heute, im Zeitalter des Smartphones, ist Momente festhalten so viel einfacher geworden. Wir machen von einem einzigen Moment eine ganze Serie von Aufnahmen. Aus Angst, gerade geblinzelt zu haben oder unvorteilhaft getroffen zu sein. Unzählige Bilder. Auf verschiedenen Geräten. Ständig am Limit des Speicherplatzes. Nicht nur Fotos. Nur ein Wisch entfernt: Videos und Audios.

Erinnerungen unserer Kinder an ihre Kindheit werden nicht nur eine überschaubare Anzahl an Fotos sein. Das Foto des ersten Lächelns. Die Audio des ersten Wortes. Das Video der ersten Schritte. Erinnerungen werden multimedial sein. Unzählige Dateien. Alleine im ersten Lebensjahr unseres Sohnes haben wir 1800 solcher Momente digital festgehalten. Ein Fotoalbum wird dieser Vielzahl und v.a. dieser Vielfalt nicht mehr gerecht.

Der Versuch, Ordnung in das Dateienchaos zu bringen ist sehr mühselig. Und bewahrt trotzdem nicht davor, dass die Erinnerungen verloren gehen. Uns durch die Hände rieseln. Unserem Sohn durch die Hände rieseln.

Am Anfang stand der simple Wunsch: all die entstandenen Dateien zu bewahren und für unseren Sohn die Möglichkeit zu schaffen, in diesen Dateien herumzustöbern. In seinem Leben herumzustöbern. Sich ganz bequem mit seiner eigenen Biografie auseinanderzusetzen. Von sich selbst lernen. Von anderen lernen. Vielleicht ein wenig von seinen Eltern lernen. Sich seiner tatsächlich gemachten Erfahrungen und Erlebnissen bewusst werden. Und Kraft daraus ziehen. Während seines Erwachsenwerdens. Wenn er erwachsen ist. Wenn er selbst eine Familie gegründet hat. Dieser Wunsch hat uns so beflügelt, dass wir ahwoo entwickelt haben.

 

Erinnerung institutionalisieren

Mit ahwoo haben wir für unseren Sohn eine solche Möglichkeit geschaffen. Wir können unser Familienleben anschaulich dokumentieren. Enge Wegbegleiter können sicher daran teilhaben. Ahwoo bringt Privatheit ins Social Web. Die Weiterverarbeitung der Dateien wird so einfach wie noch nie zuvor. Wir schaffen etwas Bleibendes.

Wenn Erinnerungen so wichtig für die Persönlichkeitsentwicklung sind, wie ich dies versucht habe, eingangs darzustellen, dann ist es nur logisch, eine Möglichkeit zu schaffen, die beim Erinnern hilft. Ahwoo ist eine solche praktische und hilfreiche Möglichkeit. Und: hebt die Familienchronik ins 21. Jahrhundert. Aber nicht nur.

Wir möchten mit ahwoo den Versuch unternehmen, Erinnerung zu institutionalisieren. Ein Bewusstsein für Erinnerung zu schaffen. Und einen Ort, der dazu einlädt, in den Erinnerungen zu schwelgen. Damit verbunden ist die Hoffnung, mehr Achtsamkeit in unseren Alltag zu bringen. Besondere Momente bewusster zu erleben und als das wahrzunehmen, was sie sind: nämlich besonders. Auch wenn ein Moment vergänglich erscheint, so kann er in unserer Erinnerung wieder und wieder durchlebt werden.  Zeit ist so kostbar. Nichts macht uns das mehr bewusst als unsere Kinder.

Ahwoo verbindet die Momente und Erinnerungen auf ganz individuelle Weise zu einer Geschichte und macht die Zeit sichtbar. Wir möchten nicht in Konkurrenz zu anderen Werkzeugen der Erinnerungskultur treten. Ahwoo möchte diese ergänzen. Erinnerungen kann es gar nicht zu viele geben. Sie müssen nur in die richtige Form gebracht werden.