Familienleben

Sollen wir wirklich fahren? – Unsere Mutter-Kind-Kur 1/2

Bevor ich euch im nächsten Beitrag ein paar Tipps für eine Kur an der See vorstelle, möchte ich euch heute an meinen Erfahrungen zum Thema Mutter-Kind-Kur teilhaben lassen. Kur – hört sich immer so altbacken und nach Krankheit an. Ich kannte es nur von der Omi, welche die letzte Knie-OP noch richtig ausKURieren musste.

Bis eine Freundin erzählte, dass sie mit ihrem Kind zur Kur an die Ostsee fährt, um mal „runterzukommen“. Wir waren gerade mitten in einer herausfordernden Phase mit ahwoo und ich dachte: Klingt gut, so eine Auszeit für uns. Ruhe… Strand… Kuscheln… Richtig vorstellen konnte ich mir aber darunter trotzdem nichts. Ich begann zu recherchieren und war erschlagen von den vielen Standorten, Angeboten und Informationen der Kurkliniken. Das nächste Mal beim Kinderarzt fragte ich nach, ob eine Kur vorstellbar für uns wäre. Die Ärztin zögerte gar nicht lange und verordnete uns gleich eine sogenannte Mutter-Kind-Kur, weil Schnu leider öfter Probleme mit seinen Bronchien hat. Ich war  im ersten Moment etwas verdutzt und dachte: Ok, wir fahren jetzt also an die See, damit er gesundheitlich stabiler wird. Moment. Etwas hatte ich nämlich nicht bedacht:

Eine Eltern-Kind-Kur ist eine Präventionsmaßnahme, vorrangig für Mutter oder Vater. Die Kinder sind in der Regel Begleitkinder, die höchstens zusätzlich therapiert werden. Daher war ich überrascht, als ich auch einen Elternbogen vom Hausarzt ausfüllen lassen musste. Natürlich hatten die letzten Monate auch bei mir Spuren hinterlassen. Also beantragte ich die Mutter-Kind-Kur bei der Krankenkasse und bekam auch innerhalb weniger Wochen eine Zusage. Dann begann die Suche nach einer zu uns passenden Klinik. Für die Wahl eines Standorts und die Kontaktaufnahme hat man ca. 6 Monate Zeit. Informieren kann man sich u.a. hier https://www.muettergenesungswerk.de/die-kliniken.html. Ausnahme sind Einrichtungen, die direkt von einer Krankenkasse betrieben werden. In diesem Fall kümmert sich die Kasse selbst um die Kontaktaufnahme und Organisation. Nach einigen Mails und Telefonaten mit unterschiedlichen Einrichtungen entschieden wir uns für die letztere Option und bekamen einen Platz für eine dreiwöchige Mutter-Kind-Kur im Herbst auf Rügen.

Foto: Zeit mit Dir

 

Nachdem ich alles organisatorische (Arbeit und Co) geklärt und unzählige Fragebögen an die Klinik geschickt hatten, freuten wir uns dann beide auf die gemeinsame Zeit an der Ostsee. Dennoch hatte ich vor der Abreise ein komisches Gefühl, weil ich nicht wusste, was auf uns zukommt. Zwischendurch überlegte ich sogar, alles abzusagen. Meine größte Sorge war, dass ich Schnu den ganzen Tag abgeben MUSS, obwohl unsere Kur ja eigentlich seiner Genesung dienen soll. Deshalb habe ich beim Erstgespräch in der Kurklinik gleich gesagt, dass wir in erster Linie seinetwegen hier sind und ich so viel Zeit wie möglich gemeinsam an der frischen Luft verbringen möchte. Mit so wenig Fremdbetreuung wie möglich. Das muss natürlich jeder für sich bestimmen, überlegt euch also am besten vorher, was ihr mit der Kur erreichen möchtet. Bei uns waren die Reha-Berater sehr bemüht, auf unsere Bedürfnisse einzugehen und wir bekamen beide einen übersichtlichen Therapieplan: Die Mama zum Erholen. Das Kind zum Stabilisieren.

Wichtig zu wissen: Wenn die Kur nur für das Kind beantragt wird, handelt es sich um eine vierwöchige Kinderheilkur, bei der NUR das Kind Therapien erhält und die Eltern lediglich Begleitpersonen ohne eigene Therapien sind. Hier gibt es auch keine Kinderbetreuung, sondern nur freiwillige Angebote für Eltern und Kinder zusammen. Achtung, bei einer Mutter-Kind-Kur besteht eine Zuzahlungspflicht von 10€ pro Tag. Bei einer Kinderheilkur entfällt diese, allerdings wird der Verdienstausfall meines Wissens nach nicht vom Arbeitgeber, sondern von der Krankenkasse bzw. der Deutschen Rentenversicherung gezahlt.  Lasst euch am besten beim Kinderarzt ausführlich beraten, welche Art von Kur für euch in Frage kommen würde und klärt frühzeitig alles Wichtige mit eurem Arbeitgeber.

Foto: Zeit mit Dir

 

Bitte macht euch vor der Klinikauswahl Gedanken, was euch wirklich wichtig ist. In manchen Kliniken werden beispielsweise Therapien bis in die Abendstunden angeboten, sodass wenig freie Zeit bleibt. In anderen wird jede Mahlzeit getrennt von den Kindern eingenommen. Dazu muss man wissen, dass bei einer Mutter- bzw. Vater-Kind-Kur die Kinder zeitweise von Erziehern in Kindergruppen betreut werden. Sind eure Kinder sehr klein bzw. KiTa-unerfahren, kann so eine Kur sogar mehr Stress als Entspannung für alle bedeuten, denn Zeit für Eingewöhnung bleibt in drei Wochen leider sehr wenig.

Fazit: Mit der richtigen Vorbereitung kann eine Kur für Kinder und Eltern sehr heilsam und hilfreich sein: um den Stress im Alltag hinter sich zu lassen, alte Muster zu durchbrechen und neue Energie zu sammeln. Uns ist es glücklicherweise gelungen und ich bereue nicht, gefahren zu sein. Damit ihr noch besser vorbereitet seid, habe ich euch im nächsten Beitrag 20 Tipps für eine Kur zusammengestellt.

Bis dahin eine schöne Zeit, eure Anja